Auf dieser Strecke wird geplant.
Auf dieser Strecke wird geplant.
Altona / Osdorf. Zwischen Verkehrsbehörde, Bezirksamt, SPD und CDU sowie dem ADFC ist ein Streit um die Herstellung eines neuen  Fahrradweges entlang des Ring 3 in Osdorf entbrannt. Auf der bisher vierspurigen Straße (60 km/h) soll zwischen Rugenbarg und Osdorfer Landstraße entsprechend ab Oktober 2015 umgebaut werden. SPD und CDU aus der Bezirksversammlung verwerfen die Pläne. Auch das Bezirksamt Altona hat einige Bedenken im Verkehrsausschuss formuliert. Allerdings hat die Oberbehörde in Hamburg das Sagen und die Erste Verschickung der Hamburger Verkehrsbehörde (BWVI) findet Unterstützung beim Fahrradclub (ADFC) in Altona. Deren Vorsitzender befürwortet den Entwurf und zeigt sich über die Haltung aus Altona “ernüchtert”.

Der LSBG entwickelte die Maßnahme im Zuge des „Erhaltungsmanagementsystem für Hamburgs Straßen (EMS-HH)“. Aus dem Bauprogramm sowie Meldungen aus dem BA Altona wurde die Maßnahme Rugenfeld zw. Osdorfer Landstr. und Rugenbarg entwickelt, heißt es. Die Beschaffenheit der Fahrbahnen in dem o.g. Bereich befände sich in einem schlechten Zustand. Demnach sei hier eine Erneuerung der Asphaltdeck- und auch der Asphaltbinderschicht durchzuführen.

Auf der linken Seite ist die Kreuzung Osdorfer Landstraße (B431) zu sehen. Hier würden die Spuren verbreitert, der Radverkehr wieder zurückgeführt. Im weiteren Verlauf des Rugenfeldes soll der Radverkehr eine Spur auf der Fahrbahn erhalten. Geplante Länge für beide Seiten ca. 1km. Darstellung: BWVI / FHH
Auf der linken Seite ist die Kreuzung Osdorfer Landstraße (B431) zu sehen. Hier würden die Spuren verbreitert, der Radverkehr wieder zurückgeführt. Im weiteren Verlauf des Rugenfeldes soll der Radverkehr eine Spur auf der Fahrbahn erhalten. Geplante Länge für beide Seiten ca. 1km. Darstellung: BWVI / FHH
Im 1. Bauabschnitt sollen zur Verbesserung des Radverkehrs auf gesamter Länge Radfahrstreifen angelegt werden und die Nebenflächen sollen Regelkonform für zu Fuß gehende ausgebaut werden. Im II. Bauabschnitt soll die Verkehrsführung im Knoten Rugenfeld/ Rugenbarg/ Grönenweg optimiert werden. Die Maßnahme soll im Oktober 2015 starten, der zweite Abschnitt ab Sommer 2016 realisiert werden.

“Die Breite der Fahrbahn wäre auf Grund ihrer Verkehrsbelastung mit 2 Fahrstreifen ausreichend bemessen”, schreibt die Verkehrsbehörde und sei bislang “aus historischen Gründen baulich 4-streifig”. Unabhängig von der tatsächlichen Verkehrsstärke des Radverkehrs sollte eine Stadtstraße mit einer Verkehrsbelastung von ca. 1.100 Kfz/h separate Verkehrsflächen für den Radverkehr haben, so die Vorstellungen der Behörde. Mehrere Varianten seien untersucht worden. Eine, bei der bis zu 100 Bäume gefällt werden müssten, wurde wieder verworfen, da auch Gehwege herzustellen seien, die u.a. von auch von Kindern für einen Radverkehr genutzt werden könnten.

 

CDU und SPD lehnen “unsinnige Rückbaupläne” ab – ADFC kontert

In einer Mitteilung hat die CDU Altona nach der ersten Vorstellung im Verkehrsausschuss mit Unterstützung der SPD die Pläne für “unsinnig” befunden. Der bisherige vierspurige Autoverkehr werde eingeengt, der Fahrradweg auf die Straße verlegt werden. Ihr Argument: “Die Straße Rugenfeld ist ein wichtiges Teilstück des Ring 3 und dient unter anderem der Abwicklung der Arenen-Verkehre. Während die Straße jeden Tag von rund 22.300 Autos genutzt wird, ist die aktuelle Anzahl der Fahrrad- und Fußgängerverkehre so gering, dass sie der Behörde nicht einmal bekannt sind.” Die Verkehrsbehörde solle sich über die IST-Zustände vor Ort informierten, forderte der verkehrspol. Sprecher der CDU, Tim Schmuckall. Im Übrigen auch, die Pläne zu “beerdigen”.

Bisher würden Radfahrer auf dem Weg zwischen Blankenese und Lurup auf “miserable, unebene Wege auf dem Bürgersteig gezwungen”, heißt es von Seiten des ADFC. „Wir begrüßen es sehr, dass die Verkehrsbehörde jetzt die rechtlichen Mindestanforderungen für den Radverkehr auf dem Ring 3 streckenweise erfüllen will“, so Benjamin Harders vom ADFC Altona. Die bestehenden Radwege auf dem Bürgersteig würden die gesetzlichen Mindestmaße erheblich unterschreiten und seien durch Baumwurzeln aufgebrochen. Eine neue Radverkehrsführung sei daher auch rechtlich zwingend erforderlich, so der ADFC. Der Fahrradclub kritisiert die Haltung von CDU und SPD “als rückständig und nicht im Sinne einer modernen Verkehrspolitik”. Die Kfz-Verkehrsbelastung im Rugenfeld sei etwa geringer als in der Elbchaussee und verfüge pro Fahrtrichtung nur über einen Fahrstreifen für alle Verkehrsarten. Es sei „ernüchternd zu sehen“, so Harders, „dass Politiker aller Fraktionen in Altona zwar beteuern, sie würden den Radverkehr fördern, aber keine wirksamen Maßnahmen unterstützen wollen, um den angestrebten höheren Radverkehrsanteil zu erreichen“.

2 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Warum befragt man hier (mal wieder) nicht die unmittelbaren Anwohner? Ich bin selbst Radfahrerin und hätte theoretisch nichts dagegen, an einer zweispurigen statt an einer vierspurigen Straße zu wohnen. Die Realität sieht aber leider anders aus: Im Zuge der „wachsenden Stadt“ wird auch in Osdorf und Lurup massiv gebaut. Es steht zu erwarten, dass die Einzelhäuser am Rugenbarg im Laufe der Zeit (Generationenwechsel) verkauft werden und größere Bauten mit erheblich mehr Menschen und mehr Autos entstehen, denn: Leider haben die meisten noch nicht umgedacht. Jeder Haushalt hat gefühlt mindestens zwei PKW, und kaum jemand steigt auf Rad und ÖPNV um. Beispiel neue Wohnanlage „Rugenpark“.
    Es gibt vor Ort derzeit keine Alternativen zum Auto oder eben zum Radfahren, für das man aber körperlich einigermaßen fit sein muss (Kleinkinder und Senioren also weitgehend ausgeschlossen). So lange es vor Ort keinen U-/S-Bahnanschluss, Car2Go- und Stadtrad-Stationen gibt und keinen verlässlichen Busplan (der M21 fährt extrem unzuverlässig, 37er selten und nur mit Zuschlag), darf dieser Ring (!) nicht verschmälert werden. Neben dem erwähnten Zugang zu den Arenen reden wir hier auch von den zunehmend wachsenden Wohn- und Geschäftsgegenden Bornheide, Osdorfer Born, Lurup und Märkten wie Ex-Max-Bahr (zukünftig wohl Möbelgeschäft), Bauhaus, Real, Lidl, Aldi, zudem mehreren Tankstellen.

    Zum obigen Vergleich mit der Elbchaussee: Sie ist teilweise so stark befahren, dass man aus Seitenstraßen nicht mehr auf die Elbchaussee gelangt. Nettigkeit unter Autofahren gibt es kaum, man kann dort also „versauern“: Es ist nicht erstrebenswert, eine solche Situation ohne Not am Rugenfeld/Rugenbarg zu reproduzieren. Schon mal gezählt, wie viele (Tief-)Garagen und Parkplatzausfahrten es am Rugenbarg gibt? Da möchte auch ich mal (!) mein Auto nutzen können (40.000 km in 8 Jahren belegen wohl, dass ich das in Maßen tue), ohne 15 min auf Einlass in den fließenden Verkehr zu warten. Ganz zu schweigen von Rettungswagen und Feuerwehr!!!
    Warum solche Verkehrsengpässe und potenziellen Unfallquellen hinbauen, wo es sie bislang noch nicht gibt? Geht es am Ende nur um eine Rennstrecke für sportliche und sichere Radfahrer??? Das ist jedenfalls mein Verdacht. Die meisten tatsächlichen Nutzer/innen der Radfahrstrecke sind doch „Normalos“, die mal zum Einkaufen oder zum Arzt eine Kurzstrecke fahren. In die Innenstadt gibt es angenehmere Strecken, und eine Radtour wird man auch nicht entlang des Rings fahren wollen.

    In puncto Baumbestand gebe ich allerdings sofort recht: Dieser muss unbedingt erhalten bleiben! Ich – die die Strecke regelmäßig fährt und dabei fast nie jemandem begegnet (!) – kann mich mit dem bestehenden, schadhaften Radweg sehr gut arrangieren.

    Einen echten Bedarf für Radwege sehe ich hingegen in stark von Rädern frequentierten Gegenden wie z.B. Altona/Bahnhofsnähe und Reeperbahn, wo trotz sehr breiter Fußwege der Fahrradweg immer wieder abbricht und man sich – in nicht ungefährlicher Weise – auf die Fahrbahn begeben muss.

  2. Den Bezirkspolitikern fehlen wohl jegliche Sachkunde und Ortskenntnis. Das Rugenfeld ist vierstreifig, weil man sie durch die Feldmark „auf Zuwachs“ bauen konnte. Aber rund 22.000 Kfz pro Tag können auch auf zwei Fahrstreifen problemlos fahren, wenn die Ampelschaltungen an Kreuzungen und Einmündungen das zulassen. Ähnliche Verkehrsmengen findet man daher in vielen zweistreifigen Straßen in Hamburg, die damit nicht übermäßig belastet sind (z.B. Elbchaussee in Nienstedten, Wentorfer Straße in Bergedorf, Elbgaustraße in Eidelstedt und weitere Abschnitte des Rings 3). Ferner wüsste ich gerne, in welche Wohnstraßen der Verkehr umgelenkt werden würde. Westlich gibt es keine, östlich nur den Rugenbarg (eine Hauptstraße). Wissen die Altonaer „Experten“ das nicht oder lügen sie bewußt? Und warum macht sich die SPD im Bezirk solche Spielchen mit, wenn im Koalitionsvertrag die Fahrradstadt ausgerufen wird?

    Man kann natürlich auch die Radwege DIN-gerecht sanieren – wenn man rund 100 Bäume opfert. Denn das Problem sind die Würzelaufbrüche, die man sonst in wenigen Jahren wieder hätte und nach der Verwaltungsvorschrift so lange reparieren müßte, bis die Bäume davon ihre Viatlität verlieren und den Autofahrern bei stärkerem Wind vor die Fahrzeuge purzeln. Das Geschrei in der Bezirksversammlung mag ich mir gar nicht ausmalen, wenn da die Motorsäge angesetzt wird.

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