Nach fast einjähriger Bauzeit ist der 3,6 Hektar große Heinepark südlich der Elbchaussee fertiggestellt. Für 0,8 Mio. Euro wurden Liegewiesen, ein Kinderspielplatz und ein “Beltwalk“ entlang der Elbhangkante gebaut bzw. umgebaut. An der Stelle des früheren Herrenhauses von Salomon Heine wurde ein Platz angelegt, der zum Verweilen vor der Kulisse hundertjähriger Bäume einlädt. Die Neugestaltung des Heineparks wurde insbesondere durch den Verkauf von Grundstücken rund um die ehemalige Seefahrtschule finanziert.

Höhepunkt sei eine stählerne Aussichtsplattform über dem steilen Elbhang im Südwesten der Parkanlage vor der im Jahr 1908 erbauten “Plangeschen Villa“. Der Heinepark ist deutschlandweit eines der wenigen Beispiele für die Rückgewinnung bebauter Flächen zugunsten von Freiflächen und Erholungsanlagen, führte Baudezernent Dr. Reinhold Gütter aus. So zerschnitt etwa ein Einfamilienhaus den Ort, der eine der wechselvollsten Geschichten in Altona hinter sich hat. Zusammen mit dem 3,7 Hektar großen Fischer’s Park ist der Heinepark heute die größte öffentliche Grünanlage im dicht bebauten Stadtteil Ottensen.

Teilnehmer monierten bei dem Rundgang die durch zwei Großbauten leidenden Blickbeziehungen auf die Elbe. Das Bezirksamt Altona werde sich künftig um die Pflege der Aussichtsplattformen kümmern, berichtete  Landschaftsarchitekt Hubert Wiggenhorn, der zusammen mit dem Gartenhistoriker Dr. Joachim Schnitter den Rundgang führte.

ZUR GESCHICHTE DES ORTS: VOM „LUSTGARTEN“ ZUM „HAUSPARK“

Der heutige Heinepark – benannt nach dem Bankier Salomon Heine, Onkel des Dichters Heinrich Heine – und der südlich vorgelagerte Elbhang sind Keimzellen der Geschichte und Kultur Altonas. Einige Ausschnitte aus dieser illustren und internationalen Geschichte:

1629: Erwerb durch Hans Simons; erstmalige Anlage eines Weinbergs am Elbhang (Anmerkung: der Wein dürfte kaum bekömmlich gewesen sein, da während des Dreißigjährigen Kriegs in Europa eine „kleine Eiszeit“ herrschte).

1652: Verkauf an Christian Lorenz, Bürgermeister von Leipzig.

1677: Verkauf an Manuel Tereira, jüdischer Zuwanderer aus Portugal, Mitglied einer großen Gemeinde portugiesischer Einwanderer in Altona und Hamburg (wahrscheinlich Flüchtling vor der katholischen Inquisition auf der iberischen Halbinsel).

1709: Verkauf an den englischen Court-Master Francis Strasford.

1714: Übergabe an den englischen Court-Master Christopher Watkinson.

1730: Verkauf an den englischen Court-Master John Thornton, Wiederanlage des Weinbergs.

1770: Verkauf an die Gebrüder Scheel (siehe heutige Scheel-Plessen-Straße).

1776: Verkauf an Generalleutnant Köller-Banner, Bau einer Gaststätte mit französischer Küche.

1794: Verkauf an den Niederländer Balthasar Elias Abbéma, selbsternannter Gesandter der Phantasierepublik Batavia (im heutigen Indonesien, das damals niederländische Kolonie war). Errichtung eines großen Landhauses mit eindrucksvollem Portikus zur Elbe hin nach Plänen des königlich-dänischen Landbaumeisters Christian Frederik Hansen (späterem dänischem Hofarchitekten).

1799: Verkauf an den früheren königlich-französischen Adjudanten und Flüchtling César Rainville. Gründung des „Hotels Rainville“ im Landhaus Abbéma und Anlage eines „Lustgartens“ bis zum Elbufer. Rainville´s Hotel wurde Treffpunkt der norddeutschen Aufklärung und der großen französischen Gemeinde in Altona. Regelmäßige Besuche des dänischen Königshauses und des englischen Adels (darunter die Lords William Hamilton und Horatio Nelson).

1820: Überschreibung an den französischen Staatsminister Louis Antoine Fauvelet de Bourienne. Zeitweise Weiterbetrieb des „Hotels Rainville“ durch Jeanne Rainville; Niedergang des Hotels nach Eröffnung der Bahnlinie Altona-Kiel (Ostsee-Ressorts).

1857: Verkauf an Salomon Heine, der ein Herrenhaus und – für seine Tochter – das heutige „Heine-Haus“ errichten ließ.

1863: Verkauf an Baruch Levy.

1867: Verkauf an Ferdinand Nagel, der das Herrenhaus abreißen und am Hang eine erste Straße zum Industriehafen bauen ließ, die alsbald durch Erdrutsch zerstört wurde. Konkurs Nagels.

1872 / 74: Verkauf an die Stadt Altona/Elbe, die Gärten und erneut eine Straße zum Industriehafen anlegen ließ (heutige Kaistraße).

1908: Fertigstellung der heutigen Plange´schen Villa.

1934: Bau der Seefahrtschule.

1953: Bau von Pavillons für die Fachhochschule für Wirtschaft und eines Einfamilienhauses im heutigen Park. Die Heine´sche und die Plange´sche Villa wurden ebenfalls für die Fachhochschule genutzt und heruntergewirtschaftet.

2004 bis heute: Abbruch der Pavillons und des Einfamilienhauses. Verkauf des Geländes der Seefahrtschule an die Projektentwicklungsgesellschaft „Hamburg Team“ in Kooperation mit Prof. Meinhard von Gerkan. Wiedernutzung der Seefahrtschule durch die Stiftung Academy for Architectural Culture (Prof. von Gerkan) und die Brand-Academy, beide mit deutsch-ostasiatischer Ausrichtung (unter anderem Partnerschaft Hamburg-Shanghai). Bau einer Wohnanlage auf dem übrigen Gelände der Seefahrtschule und in der „Heine-Villa“. Aufwändige Restaurierung und Umnutzung der Plange´schen Villa für den „Hamburg Business Club“ unter Wahrung der öffentlichen Nutzung des Parks.

2014-2015: Grunderneuerung des Heineparks durch das Bezirksamt Altona für 700.000 €. Anlage eines Platzes an der Stelle des früheren Heine´schen Herrenhauses, eines neuen „Beltwalks“ an der oberen Elbhangkante mit Aussichtsplattformen (Beltwalk = Parkrandweg, ein klassisches Motiv englischer Gartenanlagen) und eines neuen Kinderspielplatzes. Der wieder hergestellte Heinepark ist neben dem Fischer´s Park der „Hauspark“ des dicht bebauten südlichen Teils von Ottensen.

Bezirksamt Altona, Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt, 2015, unter Nutzung von Quellen des Altonaer Museums („Rainville´s Fest – Ein französischer Lustgarten im dänischen Altona“, hrsg von Bärbel Hedinger, 1994). Dr.-Ing. Reinhold Gütter

 

 

 

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