Nach Angaben von Bezirksamtsleiterin Dr. Liane Melzer prüft der Senat intensiv Flächen in Rissen und Lurup für eine weitere  kurzfristige Unterbringung. Entsprechendes verkündete Melzer auf der Sitzung des Hauptausschusses im September. Grundlage sei die Novelle des Baugesetzbuches, wonach Flächen für die Flüchtlingsunterbringung in einem stark vereinfachten Verfahren genutzt werden können (246 BauGB). Neu ist, dass der Senat nun auch erwägt, leerstehende (Gewerbe-)bauten gegen den Willen von Eigentümern zu nutzen. Ein entsprechender Entwurf ging kürzlich durch die Hamburgische Bürgerschaft.

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Der B-Plan Rissen 45.

Überall, wo bereits Planrecht besteht, kann  Wohnungsbau ohnehin schnell umgesetzt werden. Zwei große Flächen in Altona weisen der Bebauungsplan Rissen 45 (Bauland neben und hinter dem Westklinikum, sowie leerstehende Gebäude) sowie Lurup 62 am Vorhornweg (Technologiepark) neben dem Altonaer Hauptfriedhof aus. Beide Flächen werden nach Informationen von ALTONA.INFO aktuell vom Senat für feste Bauten intensiv geprüft. Während zunächst die Ansiedlung von Flüchtlingen an den Standorten erfolgen könnte, sollen die Wohnungsbauten später und langfristig als Sozialwohnungen fungieren. Mieter der Bauten könnte Fördern & Wohnen, zuständig für die Folgeunterbringung von Flüchtlingen, werden.

Der B-Plan Lurup 62 (Technologiepark).
Der B-Plan Lurup 62 (Technologiepark).

Auf einem Flüchtlingsgipfel hatten sich Bund und Länder kürzlich auf mehr Mittel für den Sozialen Wohnungsbau, gleichzeitig auf eine stärkere Entlastung der Länder bzw, Kommunen bei der Aufnahme von Flüchtlingen geeinigt. Solange unklar ist, wie umfangreich Kapazitäten für den sogenannten Technologiepark von Desy benötigt werden, könnten auch auf den hierfür ausgewiesenen Flächen Unterkünfte entstehen, heißt es im Rathaus Altona mit Bezug auf den Vorhornweg. In Rissen ist die gesamte Fläche hinter dem Krankenhaus als Wohngebiet ausgewiesen. Ohne weitere Einschränkungen, d.h. auch ohne den Bau einer weiteren Brücke über ‚Canyon‘ (B431) und S-Bahn-Trasse, könnten hier in zweigeschossiger Bauweise jederzeit Wohnungen entstehen, ergänzte sagte Altonas Baudezernent bei der Sitzung des Hauptausschusses.

 

Spekulationen über weitere Standorte im Bezirk

Behörden kommen selbst kaum noch mit eigenen Informationen hinterher. Informiert wird die Presse derzeit meist, wenn Entscheidungen getroffen sind. Dass dies mitunter auch bedeutet, dass am selben Tag noch Menschen einziehen, wurde bei der Fläche auf einem ehemaligen Baumarkt in Osdorf deutlich. Die Devise des Senats, dass bei nicht nachlassenden täglichen Ankünften in der Stadt auch alle Menschen im Winter warm untergebracht werden sollen, d.h. nicht in Zelten, wird auch in den nächsten Wochen für weitere Standorte sorgen.

Weitere Flächen könnten nach Einschätzung etwa am Rande des Osdorfer Borns bzw. in der Nähe des Freibades freigemacht werden. Mit dieser unpopulären Forderung zur Osdorfer Feldmark halten sich Politiker bisweilen zurück. Niemand möchte den Anstoß für das Gebiet machen, wenngleich es wohl um Übungswiesen für den Polosport und keinesfalls um eigentümlich agrarwirtschaftliche Flächen gehen könnte.

Flächen für den Pferdesport gibt es auch ausgiebig neben dem Botanischen Garten oder für das jährliche Derby in Flottbek genutzte Parkflächen am Rande des Wesselhöftparks. Ob auch wirklich zwei Golfplätze im Bezirk Altona nötig sind, wenn im Pinneberger Umland genügend bespielbare Flächen zur Verfügung stehen?, fragte neulich ein Vertreter am Rande. Ebenenfalls am Rande, diesmal zu Wedel, wurde zwar reines Wohngebiet auf Rissener Seite ausgewiesen. Die Stadt Wedel, die einen Businesspark in unmittelbarer Nähe schaffen will, klagt dagegen aktuell.

Im Raum stand sogar auch schon der Bahnhof Altona – ob er nicht noch schneller nach Diebsteich verlagert werden könne? Unwahrscheinlich, dass die Bahn schneller (ab)fährt. Bereits für Olympia 2024 in Hamburg würde sie wohl an ihrem Zeitplan schrauben. Wahrscheinlicher ist wohl, dass es für die Holsten-Fläche nebenan Bewegung gibt. Die Brauerei hatte eine Unterstützung der Stadt Hamburg bei der Suche nach einer neuen Fläche nicht ausgeschlagen. Bleibt Holsten vielleicht auch und verkleinert sich nur?

Im Blick des Senates sind nach der Gesetzesinitiative auch alle avisierten, aber nicht umgesetzen Vorhaben. Am sogenannten ‚Rotlichtdreieck‘, der Fläche an der Von Sauer Straße, war studentisches Wohnen geplant. Angeblich immer noch. Die Bestandsgebäude sind schon lange abgerissen. Genauso auf der großen Fläche Kieler Straße / Ecke Stresemannstr., der Fläche, wo Punks ihre Hütten abbauten, um auf die ehemalige Schießanlage zu ziehen. Beide Projekte sind hinter avisierte Zeitpläne gefallen. Angeblich ginge es hier bald wie geplant weiter, heißt es im Bezirksamt Altona. Der Senat schaue sich nun auch intensiv Flächen in Gewerbegebieten an.

 

1 KOMMENTAR / LESERBRIEF

  1. (§ 14a Absatz 1) „Die zuständige Behörde kann zum Zwecke der Unterbringung von Flüchtlingen oder Asylbegehrenden zur Abwehr von bevorstehenden Gefahren für Leib und Leben Grundstücke und Gebäude sowie Teile davon sicherstellen“.

    Soweit das Gesetz. Es ist sehr weitreichend und wolkig formuliert. Von ungenutzten Gewerbe-Immobilien steht da jedenfalls kein Wort. Im Prinzip kann jedes Gebäude jederzeit beschlagnahmt werden. Auch jede Wohnung. Egal wer da wohnt. Dies nur zur Klarstellung.

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