Eine bis auf den letzten Platz besetzte Kirche kannte der Pastor der ev.-luth. Auferstehungskirche zuletzt von Weihnachten. Am Donnerstagabend folgten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger der Einladung des bezirklichen Sozialausschusses zur Infoveranstaltung über die geplante Flüchtlingsunterkunft auf dem „Parkplatz Grün“ bzw. am Lise-Meitner-Park.

Wie an vielen Orten der Stadt, haben sich auch hier die Ereignisse zuletzt überschlagen. Erst hieß es, der Senat prüfe die Fläche für 3.000 Flüchtlinge, dann sollten es 900 werden, die zunächst im Rahmen einer Erstunterkunft und später im Rahmen einer Folgeunterbringung ein Dach über dem Kopf erhalten.

Statt einer Erstaufnahme soll es auf dem Parkplatz Grün schon von Anbeginn zu einer Folgeunterkunft für bis zu 900 Flüchtlinge kommen. Geplant sei, all jene Flüchtlinge, die in der Schnackenburgallee derzeit in Zelten leben, hierhin zu bringen und den Standort Schnackenburgallee (derzeit etwa 3.000 Menschen) dadurch zu entlasten, heißt es heute.

uebersicht-geplante-einrichtungenBürgerinnen und Bürger werden aktuell im Nachfeld von Entscheidungen informiert. Der Senat muss für die täglich ankommenden Vertriebenen Unterkünfte schaffen und während Staatsräte sowie  Bürgerschaftsabgeordnete von der Landesebene fehlen, müssen Bezirkspolitik und einfache Verwaltungsmitarbeiter alles vor Publikum erklären.

Altonas Bezirksamtsleiterin Melzer brachte nach der Präsentation und ersten Aussprache noch eine weitere Information für die Anwohner mit: In unmittelbarer Nähe wird das große Gewerbegebäude am Albert-Einstein-Ring 1-3 von der Innenbehörde für die Not-Unterbringung von 700 Flüchtlingen, d.h. zur Erstaufnahme angemietet. Ein deutliches Raunen ging durch das Kirchenschiff. Zur Minute hatten die Menschen auf der ersten offiziellen Vorstellung Details über diese Maßnahme am Lise Meitner Park erhalten, da erreichen sie schon die nächsten ‚Infos‘.

Es dauerte an diesem Abend fast eine halbe Stunde, bis sich die Frustration aufgebrachter Bürger entladen hatte. Weshalb so wenig Informationen gegeben würden. Überhaupt, diese nicht früher kämen und insbesondere, weshalb schon wieder in Bahrenfeld / Lurup eine Unterkunft geschaffen werde, wollten einige Bürger wissen. „Baut doch endlich mal in Blankenese“, forderte eine aufgebrachte Bürgerin, die sich Sorgen machte, dass die Stimmung kippen könnte.

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Bezirksamtsleiterin Dr. Liane Melzer

Eine engagierte Bezirksamtsleiterin verstand es, auch auf solche Ängste einzugehen. Die frühere Sozialdezernentin von Altona teilte die Auffassung, dass es zu einer besseren Verteilung von Flüchtlingen auf die vierzehn Altonaer Stadtteile kommen müsse. „Im Moment ist es ungerecht“, sagte Melzer und versicherte, man habe das im Blick. In der Notsituation greife die Stadt schlicht auf Flächen zurück, die schnell verfügbar sein können. Die pro Jahr für zehn Heimspiele des HSV genutzten Parkplätze seien nach aller Abwägung dafür nun mal sehr gut nutzbar.

Nach dem der Einwurf einer Frau – man habe keine ausreichenden ‚Auslaufflächen für Hunde‘ – von der versammelten Gemeinschaft weggebuht wurde, meldete sich eine Anwohnerin aus unmittelbarer Umgebung und fragte, wie man denn die neuen Nachbarn unterstützen könne. Eine Erzieherin bittet um mehr Ressourcen für die Betreuung der Kinder und eine Grundeigentümerin möchte gar ihr Grundstück für einen Container zur Verfügung stellen und sich selbst um die Flüchtlinge kümmern. 200 Jahre alte Bäume sollen doch bitte stehen bleiben, merkt eine Frau an, während ein Mann Fragen zum betreuenden Personal hat.

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Der neue Koordinator für zivilgesellschaftliches Engagement in Altona: Lars Schmidt-von-Koss.

Kurzum, es wurde konstruktiv. Am Montagabend, darauf machte der Pastor aufmerksam, treffe sich der Unterstützerkreis ‚Refugees Welcome‘ in der Kirche. Das Bezirksamt hat einen neuen Koordinator für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe an dem Abend dabei, der seit Anfang der Woche Anfragen zu bürgerschaftlichem Engagement organisiert. Der verantwortliche Altona-Leiter von Fördern und Wohnen ist zur Stelle und berichtet davon, dass jede Woche 20 Personen eingestellt würden. Eine Amtsmitarbeiterin berichtet von einer Senats-Drucksache, wonach schon bald zusätzliche MIttel für Kitas und Schulen bereitgestellt würden. Es werde kein Baum gefällt, versichert eine Bausachverständige, während sich die Bezirksamtsleiterin in einem Plädoyer auf die „tolle Idee“ zur Unterbringung von Flüchtlingen in Containern auf Privatgrundstücken zurückkommt und eine Präzedenzprüfung zusagt: „Wir werden prüfen, wie das machbar werden kann.“

Im letzten Sinne blieben zahlreiche Anwohner auch nach Ende noch ein Weilchen zum Plausch im Kirchenschiff.

4 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Als ich fragte, warum die Stadt nicht ihre eigenen leerstehenden Gebäude belegt, z.B. die Schule Röbbek in Flottbek, dauerte es bis daß der „Flächenbeschaffungsvertreter“ antwortete. Ja, die habe man sich auch angesehen, die sei ja schon 1912 gebaut worden und der Boden der Turnhalle sei ja schmutzig, da einige Scheiben eingeworfen seien und die Küche sei auch renovierbedürftig. Leider durfte ich meine Antwort darauf nicht mehr geben, die da gelautet hätte: ich wohne in einem sehr viel älteren Haus und die Schule Röbbek ist ein solider Backsteinbau, der bis vor kurzem noch genutzt worden ist …Ein vorhandenes Gebäude setzt man also nicht instand, aber angekaufte Container kann man für die Langzeitbeherbergung umbauen …

  2. So verspielt man das Verständnis der Anwohner für die Unterbringung der Flüchtlinge…

    Erst die Folgeunterbringung bei der Trabrennbahn (August-Kirch- Straße mit 300 Plätzen) – von Seiten den Anwohner kein Problem- wir sind tolerante Bürger und zeigen Verständnis und Hilfsbereitschaft!

    Dann wurde mit der geplanten Unterkunft in der -Notkestraße mit 650 Plätzen- die „Willkommenskultur“ schon etwas strapaziert.

    Mit dem Parkplatz grün mit 900 Plätzen bereits überstrapaziert und dann…

    lässt man die Bombe platzen: Erstaufnahme mit 700 Plätzen im Albert- Einstein- Ring

    – STIMMUNG IST GEKIPPT !!!

    Was kommt noch? Eine Unterkunft mehr oder weniger für ein paar hundert Menschen passt doch bestimmt noch… es gibt doch hier noch genügend Freiflächen und leerstehende Gebäude. Rücksicht auf die Anwohner nehmen und auf die zu bewältigende Integrationsleistung – No way !

    Hier noch ein paar Vorschläge zur Unterbringung: jetzt ist eh alles egal:

    – das alte THW – Gebäude in der Notkestrße
    -Aufstockung der August-Kirch-Straße.
    – Annexion der Trabrennbahn: Pferdesport will eh keiner mehr sehen.
    -Ach, und in meinen Garten ist auch noch Platz für ein paar Container , wenn man die 3-Geschossig macht- kann man vielleicht 12 unterbringen…

    Gute Nacht

    ( Ich hoffe in Nienstedten und Blankenese kann man noch gut schlafen)

    • Hallo Frau Schröder,
      ich kann Ihnen nur beipflichten wann ist Schluß in unserem Bezirk die Toleranz ist am Limit,
      bei Diskussionen auf der Straße in unserer Siedlungsteige schon langsam die Wut hoch denn
      es gibt ja bestimmt noch viele Stadtteile im Westen oder wo auch immer, aber speziell im Westen traut sich der Senat nicht ran.Ich möchte aber noch einmal betonenFlüchtlinge aus Kriegsgebieten sollen und müssen wir aufnehmen aber bitte gerecht verteilen.
      Mit freundlichen Grüßen
      Henry Burmeister

  3. Von Seiten der Stadt von dem Parkplatz Grün zu sprechen ist in doppelter Hinsicht unangebracht.

    Zum einen sind die Flächen als Park ausgewiesen und Stellen ein Landschaftsschutzgebiet dar. Es handelt sich um Parkflächen, die überall sonst ja unangetastet bleiben sollen.

    Zum anderen soll ja gerade derTeil des Parks, wo einige Male im Jahr Autos stehen dürfen, der sogenannte „Parkplatz Grün“, NICHT genutzt werden.

    Für einen konstruktiven Dialog sollte auf solche Taschenspielertricks verzichtet werden.

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