Für die Oktober-Sitzung der Bezirksversammlung Altona bringt die SPD-Fraktion einen Beschlussantrag (20-1698) zur Überprüfung der Flüchtlingsunterbrinung im Bezirk Altona ein. Der starke Zustrom führe derzeit dazu, dass praktisch wöchentlich neue Unterkünfte geplant und gebaut werden müssen. Altona habe es bislang geschafft, einen fraktionsübergreifenden Konsens bei der Planung zu erzielen. Letzte Feedbacks aus der Bevölkerung, etwa bei der Vorstellung der bislang größten Folgeunterkunft auf dem Parkplatz Grün ergaben jedoch, dass sich Anwohnerinnen und Anwohner dort überfordert fühlen. Entsprechend konstruktiv appellierten Bürger aus Bahrenfeld und Lurup an die Solidarität der südlichen Stadtteilnachbarn aus Blankenese, Nienstedten und Flottbek.

Ein von Bürgerinnen und Bürgern für die Infoveranstaltung zum "Parkplatz Grün" aufbereitetes Schaubild. Die Zahlen stimmen teilweise nicht mehr exakt mit den Gegebenheiten überein, zeigen dennoch eine starke Ansammlung von Unterkünften in und um Bahrenfeld.
Ein von Bürgerinnen und Bürgern für die Infoveranstaltung zum „Parkplatz Grün“ aufbereitetes Schaubild. Die Zahlen stimmen teilweise nicht mehr exakt mit den Gegebenheiten überein, zeigen dennoch eine starke Ansammlung von Unterkünften in und um Bahrenfeld.

Im Umfeld um die Trabrennbahn wurden die bislang meisten Flüchtlinge im Bezirk Altona untergebracht, bzw. Einrichtungen geschaffen und angekündigt. Ein Schaubild auf der letzten Anhörung in der Auferstehungskirche an der Luruper Hauptstraße visualisierte die Kapazitäten. Zunehmend würden Bedenken formuliert, ob einzelne Stadtteile oder Sozialräume die kommenden Aufgaben noch in der bisherigen Art und Weise bewältigen können, formuliert jetzt der Antrag der SPD-Fraktion. Dadurch, dass sich Folgeunterkünfte zunehmend auf einzelne Stadtteile und Sozialräume konzentrieren, sei gerade das Integrationskonzept in Gefahr. Es sei daher dafür zu sorgen, dass sie künftig primär in solchen Stadtteilen entstünden, in denen öffentliche Einrichtungen und das soziale Netz aus Vereinen, Institutionen und Ehrenamtlichen über größere freie Kapazitäten verfügen, als dies etwa in Rissen oder Bahrenfeld und dessen Umfeld der Fall ist.

Die Bezirksversammlung Altona solle daher beschließen, die Suche nach weiteren Standorten speziell für die Folgeunterbringung auf solche Stadtteile zu fokussieren, die durch ihre Sozialstruktur sicherstellen können, dass eine „echte Integration“ im Rahmen der erprobten Konzepte weiterhin möglich ist. Erstaufnahmeeinrichtungen klammert die SPD-Fraktion dagegen aus.

In dem Antrag werden das frühere Ortsamtsgebiet südlich der B 431, aber auch Stadtteile im Altonaer Kerngebiet, wie beispielsweise Ottensen, erwähnt. Nach diesen Kriterien, so der Antrag weiter, seien zudem alle bereits diskutierten Vorschläge für öffentliche Flächen erneut zu überprüfen, auch wenn die Inanspruchnahme vordergründig mit zusätzlichen Kosten verbunden scheine. Die Anmietung privater Flächen und Gebäude soll geprüft werden, auch wenn hier nur kleinere Einheiten möglich erscheinen.

Der Vorschlag der SPD-Fraktion wird auf der Sitzung der Bezirksversammlung Altona am 22. Oktober debattiert. ALTONA.INFO überträgt die Sitzung live.

Ergänzung vom 22.10. Die Bezirksversammlung Altona hat den Antrag mit Stimmen von SPD und GRÜNE mehrheitlich beschlossen.

3 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Ich finde den Antrag gut. Er verhindert wohl nicht mehr die Konzentration im Bereich Bahrenfeld-Nord, Lurup und Osdorf, führt aber vielleicht die „besseren“ Stadtteile Altonas etwas näher an die soziale Realität heran und trägt vielleicht zu einer gleichmäßigeren Belastung bei.
    Einige Zahlen aus Lurup dazu:
    Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund: 44,1%, bei den unter 18jährigen sogar 63,1%.
    36,8% der Kinder unter 7 Jahren sind auf Sozialleistungen angewiesen, in Blankenes oder Gr. Flottbek dagegen nur 1%.
    Die große Frage bleibt allerdings, was macht die BIS (Innenbehörde)? Weitere Großunterkünfte an Bezirken und Anwohnern vorbei?
    Harald Lübkert

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