Martinstag: „Dann lachen die Kinder“

Die dunklen Tage sind vielerorts Anlass für eine Wanderung durch die Straßen. In Kitas und Schulen wurde in den letzten Wochen fleißig gebastelt. Wenn Freiwillige Feuerwehr und Stadtteilinitiativen mit ihren Umzügen durch sind, naht der ‚Martinstag‘ am 11. November.

„Ich geh mit meiner Laterne … und nehme ein Flüchtlingskind mit.“

Dieser Gedanke ließ mich dieses Jahr nicht los. Auf dem Elternabend brachte ich das Thema kurzerhand unter „Verschiedenes“ ein. Schließlich erhält die Einrichtung gerade tausende neue Nachbarn, darunter viele hundert Kinder in direkter Nachbarschaft. Weshalb nicht den symbolischen Martins-Mantel mit den Flüchtlingsfamilien teilen? Ein Monat verging, das Protokoll machte die Runde.

Vergangene Woche erhielt ich den Anruf einer Kita-Mutter, die in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe aktiv ist. Sie hätte gehört.., jedenfalls, ob ich nicht kurzerhand ein paar Flüchtlingskinder abholen und wieder zurückbringen könne. Die Mutter von zwei Kindern hatte bis zu diesem Zeitpunkt bereits Stunden in die Abstimmung und Recherche zwischen Kita, Einrichtung und Trägern öffentlicher Belange investiert. Nach dem Einblick ins‘ bürokratische Labyrinth hieß es: einfach machen.

Unserem Kind musste ich noch erklären, weshalb ich einen Umweg mache. Ich entschloss mich für die Wahrheit:

„Ich hole nachher ein paar Flüchtlingskinder mit unserem Auto ab.“
„Ja, wieso denn?“, fragt der Kurze, so wie er es in letzter Zeit bei jeder Gelegenheit tut.
„In anderen Ländern ist es nicht so schön wie hier in Deutschland. Es gibt leider Krieg. Viele Menschen müssen in unser Land flüchten, um geschützt zu sein. Wir bauen in Hamburg Wohnungen, wo Flüchtlinge ein sicheres Zuhause finden. Im Kindergarten wurden bereits Laternen für die Kinder gebastelt. Es ist schön, wenn sie bei uns mitmachen können.“

„Dann lachen die Kinder“, entgegnet der Dreijährige. Er stellt keine weitere Frage.

Ich bin ganz perplex.

Wenig später, nach vielen Martinsliedern, Lagerfeuer, gemeinsamem Essen und Trinken stand das Glück den Kindern ins Gesicht geschrieben.

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